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Warum wird hier so viel gebaut?

Mit der demografischen Veränderung geht auch eine infrastrukturelle Veränderung und Modernisierung einher. Mehr Wohnungen, mehr Parkplätze, mehr von allem wird gebraucht.

Christoph Stark, Bürgermeister der Stadtgemeinde Gleisdorf

Christoph Stark, Bürgermeister der Stadtgemeinde Gleisdorf

Dies ist eine jener Fragen, die die GemeinderätInnen und auch ich immer öfter zu hören bekommen. Auch, ob das alles sein muss und ob wirklich jedes Grundstück bebaut werden muss? Auf diesen gesamten Themenkomplex gibt es mehrere Antworten.

1) Demografie

Vielleicht haben Sie in den letzten Wochen in den Medien einmal die Grafik der Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark gesehen. Hier bietet sich mit Blickrichtung auf die kommenden 30 Jahre ein klares, wenn auch dort und da düsteres Bild. Weite Teile der Obersteiermark und beispielsweise des Murtales verlieren 20% an Bevölkerung und mehr. Andere Bezirke verlieren etwas weniger, nehmen aber auch ab. Nur der Großraum Graz, der Bezirk Leibnitz und der südliche Bezirk Weiz verzeichnen Zuzug. Und das nicht wenig. In den letzten 18 Monaten hat alleine Gleisdorf mehr als 600 neue EinwohnerInnen bekommen.

Mit dem Zuzug steigt die Nachfrage nach Wohnraum. Viele Menschen suchen Mietwohnungen, andere wiederum kaufen aus finanziellen Überlegungen eine Wohnung, da Geld aufgrund der Zinssituation in Immobilien derzeit besser angelegt ist als am „Sparbuch“.

2. Baurecht

Das alles hat zur Folge, dass Wohnungen gebaut werden. Und hier greifen im Wesentlichen zwei Rechtsgebiete: Das Raumordnungsgesetz und die Steiermärkische Bauordnung. Beide Gesetze legen fest, wo, wie, wie hoch, wie dicht und wie nahe am Nachbarn etc. gebaut werden darf. Auf die Einhaltung all dieser Vorschriften hat das Bauamt penibel genau zu achten. Klar ist aber auch: Erfüllt jemand alle diese gesetzlichen Vorgaben, hat er das Recht zu bauen!

Ich verstehe alle, die keine Freude damit haben, wenn die Nachbarliegenschaft plötzlich be- bzw. verbaut wird. Jahre oder sogar Jahrzehnte auf eine Wiese oder ein kleines Haus geblickt zu haben und nun mit einem größeren Bauwerk konfrontiert zu sein, ist ein Einschnitt im persönlichen Lebensumfeld. Auch ich persönlich stehe vor so einer Situation.

3) Bauform und Baukultur

Um nun zu gewährleisten, dass wir die steigende Bautätigkeit, die in jedem Fall passiert, in guten Bahnen bewältigen, greifen mehrere Mechanismen, die nun Zug um Zug ihre Wirkung entfalten sollen. Und zwar:

- Stadtentwicklungskonzept (STEK)

Mit diesem fast zweijährigen Verfahren wird unter Beiziehung der Bevölkerung festgelegt, welche Entwicklungsschwerpunkte wir für die Zukunft setzen wollen. Das betrifft die Wirtschafts- und Landwirtschaftsentwicklung genauso, wie die Bereiche der Bildung, Energie und das Wohnungswesen.

- Flächenwidmungsplan

Auf Basis des STEK wird danach der genaue Flächenwidmungsplan beschlossen, der punktgenau festlegt, wo in Zukunft was gebaut werden darf.

- Baukulturbeirat

Und als sofort einsetzende Maßnahme hat der Gemeinderat die Einsetzung eines Baukulturbeirates beschlossen, dessen Ziel es ist, die allgemeine Verträglichkeit eines Bauwerkes im Sinne des Orts- und Straßenbildes zu beurteilen (siehe dazu auch die Kolumne von GR Dr. Wolfgang Weber).

Alle diese Maßnahmen greifen ineinander und müssen gewährleisten, dass unser Gleisdorf auch in Zukunft eine lebenswerte Stadt bleibt, die sich im Lichte der demografischen Entwicklungen aber mit Sicherheit verändern wird.